Pflichtangaben & Recht
EU-Gewährleistungslabel: Was Onlineshops seit dem 27.09.2026 zeigen müssen

Stephan Beau
Managing Director
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Short answer
Seit dem 27. September 2026 müssen Shops, die Waren an Verbraucher verkaufen, das farbige EU-Gewährleistungslabel zeigen – unverändert, gut sichtbar und bevor die Bestellung abgeschickt wird. Am sichersten steht es in voller Größe auf der Produktseite oder im Bestellprozess. Das Garantielabel brauchst du nur, wenn der Hersteller eine Haltbarkeitsgarantie von mehr als zwei Jahren gibt.
Als ich im E-Commerce Magazin zum ersten Mal von dem neuen Label gelesen habe, war mein erster Gedanke: Herzlichen Glückwunsch, wieder eine Vorschrift mehr für uns Unternehmer. Umgesetzt haben wir sie trotzdem – es ist ja alternativlos. Und zwar in zwei eigenen Shops: bei Fjella, unserem Shopify-Shop, und bei Tappi, unserer digitalen Visitenkarte, zu der man eine NFC-Karte kaufen kann. Hier steht, was wir dabei gelernt haben – und wo sich selbst die Fachleute nicht einig sind.
WORUM ES GEHT
Die EU will, dass Käufer auf einen Blick sehen: Für Waren gilt in der EU eine gesetzliche Gewährleistung von mindestens zwei Jahren. Dafür gibt es seit dem 27. September 2026 ein einheitliches Label, die „harmonisierte Mitteilung“. Grundlage ist die EU-Richtlinie 2024/825 (oft „EmpCo“ genannt), wie das Label aussieht, regelt die Durchführungsverordnung (EU) 2025/1960.
WEN ES BETRIFFT
- Alle, die körperliche Waren an Verbraucher verkaufen – online und im Laden.
- Nicht betroffen: reiner B2B-Handel sowie digitale Inhalte und Dienstleistungen. Bei Tappi gilt das Label deshalb nur für die NFC-Karte, nicht für die Abos.
- Im Laden reicht ein Aushang: mindestens DIN A4, gut sichtbar im Verkaufsraum, am besten an der Kasse. Dort darf es auch die Schwarz-Weiß-Fassung sein.
Dass online nur die farbige Fassung sein darf, im Laden aber auch Schwarz-Weiß, finde ich ehrlich gesagt ziemlich nervig. Und die Frage, die sich mir danach gestellt hat: Was heißt das denn überhaupt für einen Stand auf dem Kunsthandwerkermarkt? Das klärst du am besten mit einem Anwalt.
WO DAS LABEL IM SHOP HINGEHÖRT
Die Regel: Das Label muss klar erkennbar und gut sichtbar sein, bevor dein Kunde bestellt. Es muss die farbigeFassung sein, und zwar unverändert. Farben, Rahmen und Abstände bleiben, wie sie sind. Eine feste Größe gibt es online nicht. Es muss aber lesbar sein.
Zwei Stellen gelten als sicher:
- Die Produktseite, mit dem Label in voller Größe in der Beschreibung. Das empfiehlt der Händlerbund.
- Der Bestellprozess, also Warenkorb oder Checkout, einmal zentral für alle Produkte. Der Warenkorb zählt aber nur, wenn wirklich jede Bestellung durch ihn hindurchgeht. Schnellkauf- oder Express-Buttons führen oft daran vorbei. (Quellen: IT-Recht Kanzlei, Händlerbund)
Ein Link im Footer und das Label in der Bestellbestätigung sind gute Ergänzungen, allein aber zu schwach.
Bei Tappi läuft der Checkout über Stripe. Dort können wir das Label gar nicht einbauen, deshalb steht es auf der Bestellseite vor dem Kaufknopf.
AUFKLAPPEN ODER NICHT? DA SIND SICH SELBST DIE FACHLEUTE NICHT EINIG.
Mein Bauchgefühl war klar: schlank und aufklappbar. Alles, was im Warenkorb oder Checkout stört, kostet Bestellungen, und das Label ist ziemlich groß. Mal ehrlich: 90 Prozent der Leute werden es nie lesen.
So haben wir es bei Fjella und Tappi auch gebaut: ein beschrifteter Satz, der beim Anklicken das komplette Label öffnet. Beim Schreiben dieses Artikels haben wir nachgesehen, ob das reicht – und zwei Lager gefunden:
- Das geht: Die Leitlinien der EU-Kommission erlauben eine „geschachtelte“ Anzeige über einen eindeutig bezeichneten Link, der das Label in voller Größe zeigt. eRecht24 nennt ausdrücklich einen anklickbaren Satz wie „Ihre gesetzlichen Gewährleistungsrechte“, der die vollständige Mitteilung öffnet.
- Lieber nicht: Die IT-Recht Kanzlei und der Händlerbund raten beim Gewährleistungslabel davon ab. Ihr Argument: Die Verordnung sieht die geschachtelte Anzeige ausdrücklich nur beim Garantielabel vor, und die Verordnung geht den Leitlinien vor.
Unsere Entscheidung: Wir bleiben bei der aufklappbaren Lösung – und zwar ganz bewusst, im Wissen um die Gegenposition. Erstens decken sie die Leitlinien der EU-Kommission und eRecht24, unser Rechtstexte-Dienst. Zweitens bleibt der Weg zur Bestellung frei von einem großen Block, den kaum jemand liest. Drittens ist der Satz eindeutig beschriftet, und dahinter steht das komplette, unveränderte Label – kein bloßer Link zur EU-Website. Die offene Fassung haben wir trotzdem fertig in der Schublade. Sollte ein Gericht oder eine Behörde das anders sehen, stellen wir es selbstverständlich sofort um.
Das ist aber ganz klar unsere eigene Abwägung und keine Empfehlung für jeden Shop. Wer kein Risiko eingehen will, zeigt das Label offen, ohne Klick. Wer es aufklappbar einbaut, sollte den Satz eindeutig beschriften und dahinter das komplette, unveränderte Label legen.
WELCHE DATEI DU BRAUCHST
Nimm die offiziellen Dateien der EU-Kommission. Es gibt sie in allen EU-Sprachen als SVG, PDF, PNG und JPG. Achtung beim PDF: Seite 1 ist die farbige Fassung für den Onlinehandel, Seite 2 die Schwarz-Weiß-Fassung für den Laden.
Bei Tappi zeigen wir das Label als Bild und verlinken zusätzlich das PDF. So lässt sich der Text auch als Klartext lesen.
GEWÄHRLEISTUNGSLABEL ODER GARANTIELABEL?
Die beiden werden gern verwechselt.
- Gewährleistung ist gesetzlich geregelt und gilt immer. Dafür ist das Gewährleistungslabel da, und das ist die Pflicht seit dem 27. September.
- Garantie ist freiwillig. Das Garantielabel brauchst du nur, wenn der Hersteller eine Haltbarkeitsgarantie gibt, die länger als zwei Jahre läuft, ohne Aufpreis. Dann gehört es produktbezogen auf die Produktseite.
Das gilt auch für Eigenmarken: Wer selbst produziert, ist Hersteller. Solange du keine solche Garantie versprichst, brauchst du kein Garantielabel. Bei Fjella gibt keine der geführten Marken so eine Garantie, deshalb entfällt es dort.
SO HABEN WIR ES UMGESETZT
Fjella (Shopify): Der Hinweis im Footer war schnell erledigt. Für Produktseite und Warenkorb haben wir einen Block „Benutzerdefiniertes Liquid“ eingesetzt, dazu das Label in der Bestellbestätigung. Zwei Stolpersteine aus unserem Theme: Es gibt zwei Knöpfe „Block hinzufügen“, und nur der innerhalb von „Details“ bietet den passenden Block an. Und ein <img>-Tag, das über mehrere Zeilen verteilt ist, ging beim Kopieren verloren – schreib es in eine Zeile. Geholfen hat uns dabei KI, in unserem Fall Claude von Anthropic. Wenn man etwas zum ersten Mal macht, ist das nur konsequent.
Tappi (eigene Software): Hier war es einfacher. Shopify ist ein System, bei dem sich andere Entwickler etwas gedacht haben, das sich mir nicht immer sofort erschließt. Tappi haben wir selbst gebaut, da ist man tief im Thema. Außerdem gibt es dort nur ein einziges physisches Produkt, die NFC-Karte. Es war im Grunde eine kleine Erweiterung im Code.
UNSERE EHRLICHE MEINUNG
Mich hat an der Regel fast alles geärgert. Wenn dein Drucker nach einem halben Jahr kaputtgeht, wendest du dich an den Händler oder den Hersteller – das hat auch ohne Label funktioniert.
Dazu kommt: Ich bin mir sicher, dass viele kleine Shops noch nie von dem Label gehört haben. Nicht aus böser Absicht, sondern weil es eine Million Vorschriften an einer Million Stellen gibt. Ein befreundeter Unternehmer sagt immer: „Wenn ich morgens aufstehe, weiß ich gar nicht, was ich schon wieder alles falsch gemacht habe.“ Genau so fühlt sich das an.
Umsetzen musst du es trotzdem. Der Aufwand ist überschaubar, wenn du weißt, worauf es ankommt.
CHECKLISTE
Dieser Beitrag ist allgemeine Information und keine Rechtsberatung. Für deinen Einzelfall frag deinen Rechtstexte-Dienst oder eine Kanzlei. Auf Aktualität geprüft am 25.09.2026.
Frequently asked questions
Was ist das EU-Gewährleistungslabel, und ab wann ist es Pflicht?
Ein einheitliches Label der EU, das auf die gesetzliche Gewährleistung von mindestens zwei Jahren hinweist. Pflicht ist es seit dem 27. September 2026.
Gilt das Label auch für B2B-Shops?
Nein. Die Pflicht gilt nur gegenüber Verbrauchern.
Reicht ein Link im Footer?
Allein nicht. Das Label muss vor der Bestellung gut sichtbar sein, also auf der Produktseite oder im Bestellprozess.
Darf ich das Label kleiner machen oder aufklappbar einbauen?
Verändern darfst du es nicht, lesbar muss es sein. Aufklappbar ist umstritten: Die Leitlinien der EU-Kommission und eRecht24 lassen einen klar beschrifteten Satz zu, der das ganze Label öffnet; IT-Recht Kanzlei und Händlerbund raten davon ab. Am sichersten: offen zeigen.
Wer ist für die Gewährleistung zuständig, Händler oder Hersteller?
Die gesetzliche Gewährleistung richtet sich an den Verkäufer, also an dich als Händler.
Brauche ich das Label auch im Laden?
Ja, als Aushang von mindestens DIN A4 im Verkaufsraum, farbig oder schwarz-weiß.
Sources
- IT-Recht Kanzlei: FAQ zum Gewährleistungs- und Garantielabel
- IT-Recht Kanzlei: Nun doch geschachtelte Anzeige zulässig? (30.07.2026)
- Händlerbund: Best Practice Shop-Integration (09.09.2026)
- eRecht24: Garantie- und Gewährleistungslabel werden Pflicht
- EU-Kommission: High-resolution vector files for the EU notice and label on product guarantees
This article does not replace legal advice.

Written by
Stephan Beau
Ich bin Stephan Beau, Geschäftsführer der Beau Marketing GmbH in Satrup. Seit 2016 baue ich Websites und Shops für Betriebe im Norden – angefangen mit meinem eigenen Onlineshop. Software entwickle ich schon immer, vom C16 bis zu Apps in Swift. Im Ratgeber schreibe ich auf, was ich dabei in der Praxis gelernt habe.
